Category: Deutschland – Wirtschaft

November 13th, 2018 by Egon W. Kreutzer

350 Milliarden Euro hat Olaf Scholz im Haushalt 2019 verplant.

208 Milliarden Euro an nicht tilgbaren Schulden schieben die überschuldeten Haushalte dieses reichen Landes vor sich her.

Wir haben es der Auskunftei Creditreform zu verdanken, regelmäßig über die Bonität der deutschen Haushalte informiert zu werden, und ich habe mich gefreut, ausgerechnet in der WELT einen ausführlichen Bericht über die neuen Zahlen gefunden zu haben.

Angesichts dieser Zahlen kommt mir alles noch einmal hoch, was mir jedesmal hochkommt, wenn sich die Regierenden den Lorbeerkranz aus ihren beiden Standard-Phrasen winden: „Noch nie gab es so viele Beschäftigte“, und „Die Kassen sind voll, wegen der guten Beschäftigung“.

Was heißt das denn?

Hat man nicht auch um 1810 herum in Georgia  und South Carolina  stolz berichtet, noch nie so viele Beschäftigte auf den Plantagen gezählt  zu haben? Konnte man nicht zugleich wegen „der guten Beschäftigung“ stolz auf volle Kassen verweisen und sogar noch einmal Zehntausende Neger aus Angola einkaufen und damit dem Fachkräftemangel begegnen?

Es wird inzwischen deutlich, dass die Warnungen vor drohender Altersarmut sich schneller bewahrheiten als es die Vernünftigen unter den Sozialpolitikern vorhergesagt haben. Die haben nämlich nur einseitig auf die Entwicklung des Rentenniveaus geschaut, das ja massiv abgesenkt worden ist und vermutlich nach 2025 noch einmal abgesenkt werden wird. Und die Statistik der Creditreform besagt eindeutig, dass es nicht die Jungen sind, die ihrer Handy-Rechnungen nicht bezahlen können, sondern die Alten, denen die Kosten davonlaufen.

In der Realität begegnen sich nämlich das sinkende Rentenniveau und die immens gestiegenen Mieten und haben zum Stichtag 1. Oktober 2018 nach den heute vorgelegten Zahlen fast 7 Millionen Privatpersonen hervorgebracht, die nicht mehr in der Lage sind, ihre fälligen Rechnungen zu bezahlen.

Damit sei jeder zehnte Erwachsene überschuldet, heißt es von der Creditreform.

Wenn man versucht, von der Zahl der überschuldeten Erwachsenen auf die überschuldeten Haushalte zu schließen, kommt man zu Ergebnissen, die besagen, dass vermutlich etwa jeder siebte Haushalt von Überschuldung betroffen sein muss.

Den Artikel in der WELT, verfasst von Carsten Dierig, kann ich nur empfehlen. In für den Mainstream erstaunlicher Offenheit werden die Ursachen angesprochen und die in naher Zukunft anstehenden Risiken aufgezeigt.

Die Forderungen an die Politik, die sich zwangsläufig daraus ergeben, fehlen jedoch. Die sind allerdings so hart, dass selbst ich mich überwinden muss, sie aufzuschreiben:

  1. Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes
    auf 17,00 Euro pro Stunde, bei geringfügiger Beschäftigung unter 20 h/Woche,
    auf 510 €/Woche bei Teilzeit unter 35 Wochenstunden,
    bzw. 1.800 €/Monat bei Vollzeitbeschäftigung.
  2. Reform der gesetzlichen Rente mit dem Ziel, innnerhalb weniger Jahre (fünf bis zehn) das Rentenniveau über eine von der Wirtschaft zu tragende, branchenspezifische Produktivitätsumlage, bzw. Maschinensteuer schrittweise auf mindestens 67 Prozent anzuheben.
  3. Wohnraum-Zwangsbewirtschaftung, wie in der Nachkriegszeit, massive Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, steuerliche Anreize für den Bau von Betriebswohnungen, etc., bis die Wohnungsnot auch in den Ballungsräumen beseitigt ist.
  4. Wiederherstellung der Arbeitslosenversicherung nach den Regelungen vor 2002, analog dazu Wiederherstellung der Sozialhilfe.
    .
    Gegenfinanzierung durch:
    .
  5. Umbau der Steuersystematik, weg von den Konsumsteuern als primäre Steuerquelle, zurück zur progressiven Besteuerung von Einkommen und Vermögen
  6. Sofortiger Stopp jeglicher Zuwanderung in die Sozialsysteme.
  7. Sofortiger Stopp jeglicher Zuwanderung von Billiglöhnern in den Arbeitsmarkt.
  8. Zügige Rückführung aller dauerhaft auf Sozialleistungen angewiesenen Migranten, die keinen Anspruch auf Asyl haben.

 

Wer nun glaubt, dies sei vollkommen unmöglich, weil die „Experten“ dies herausgefunden haben, sollte – statt den Experten – sich selbst diese eine Frage stellen, die da lautet:

Warum soll das, was möglich war, als die Wirtschaftsleistung Deutschlands noch viel geringer war als heute, jetzt unmöglich sein?

Darauf gibt es nur eine Antwort, und die lautet: Weil eine kleine Zahl von Asozialen immer gieriger geworden ist und ihren bis heute im Klassenkampf errungenen Besitzstand mit Zähnen und Klauen verteidigt und weiter ausbaut.

Diese Antwort ist korrekt.

Es ist aber nur eine Antwort – kein unumstößliches Naturgesetz.

 

 

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November 9th, 2018 by Egon W. Kreutzer

Oft und oft habe ich aus dem Mund von Politikern (_*Innen eingeschlossen)  gehört, man habe nun verstanden. Das Volk allerdings habe noch nichts verstanden, weshalb es ihm nun noch einmal erklärt werden müsse.

Leider sind die neuerlichen Erklärungen, so sie denn überhaupt erfolgen, noch unverständlicher, so dass das Volk die Ohren verschließt und in Jahrtausenden geübter Manier mit dem Kriegsschrei: „Augen zu und durch!“, zuverlässig ausbadet, was ihm zuvor nicht ohne Tücke eingebrockt wurde.

So hat gestern nicht nur die SPD beschlossen, Hartz IV abschaffen zu wollen (Wie ich die SPD einschätze, wird die Abschaffung wohl ersatzlos und ohne Übergangsfristen erfolgen sollen), nein, unter der Moderation des Bundesverkehrtminsisters Scheuer wurde obendrein nach intensiver Suche beim Gieseldipfel etwas gefunden, was zwar ein ausgemachter Schmarrn ist, aber angeblich einen Kompromiss darstellt.

Auch bei diesem Kompromiss stellt sich die Frage, wie wohl die von Herrn Scheuer vertretene Ausgangsposition des dieselfahrenden Volkes ausgesehen haben mag, wo der Kompromiss doch exakt der Idealvorstellung der Automobilindustrie entspricht.

VW und Mercedes haben im Kompromiss nämlich zugesagt, den Haltern einiger älterer Modelle,

die ihre Fahrzeuge in einer jener 15 deutschen Stickoxid-Hochburgen zugelassen haben, die von der sich so nennenden „Deutschen Umwelthilfe“ verklagt wurden (oder noch verklagt werden werden), um die Errichtung von Fahrverbotszonen zu erzwingen,

bis zu 3.000 Euro zu bezahlen, damit diese zur Vermeidung von Bußgeldern wegen Missachtung der Fahrverbote eine Hardware-Nachrüstung vornehmen lassen könnten.

Der Haken dabei: Es gibt die Hardware, die nachgerüstet werden könnte, schlicht nicht, bzw. das, was es gibt, müsste erst noch zugelassen werden, um es einbauen zu können, und was die Hardware samt Werkstattkosten kosten würde, kann derzeit daher wohl nur bei Noe  Astro oder einem anderen Sterndeuter erfragt werden.

Als Fahrer, Halter und Eigentümer eines Anfang 2012 als Jahreswagen gekauften VW Passat, der ich dieses Fahrzeug ein paar Kilometer zu weit von München entfernt zugelassen habe, erleide ich zwar den gleichen Schaden wie alle anderen Betroffenen auch, doch steht mir nicht einmal die vollkommen unsinnige Nachrüstprämie zu, die letztlich sowieso nur als Schmerzensgeld gedacht ist, weil sie ausgezahlt werden soll, ohne dass tatsächlich auch nachgerüstet werden muss, weil gar nicht nachgerüstet werden kann.

Ich werde also – siehe oben – nach der Devise „Augen zu und durch“ meinen durch eine – auch in dieser Causa – unfähige Bundesregierung stark entwerteten Diesel weiterfahren und mich einen Dreck um Fahrverbote scheren, bis er mir unter dem Hintern zusammenbricht.

Volkswagen hat mir nämlich mit Schreiben vom 18.08.2016 mitgeteilt, dass nach dem seinerzeit erfolgten Software-Update „hinsichtlich Kraftstoffverbrauch, CO2-Emissionen, Motorleistung und Drehmoment sowie Fahrzeugakustik keine Verschlechterungen verbunden sind und alle typgenehmigungsrelevanten Fahrzeugwerte unverändert Bestand haben.“

Das kann doch nur bedeuten, dass mein Passat seit zwei Jahren technisch exakt so ist, wie er genehmigt wurde und folglich auf allen deutschen Straßen fahren darf. Ich weiß nicht genau wie viele Fahrzeuge insgesamt inzwischen ein Software-Update erhalten haben, aber ZEIT ONLINE schrieb dazu im März 2018: „… in Europa und im Rest der Welt (ohne USA) wurde den betroffenen Motoren zumeist eine neue Software aufgespielt, teils auch Hardwareteile ergänzt oder ausgetauscht. Damit ist man zu rund 90 Prozent fertig, der Rest soll in diesem Jahr noch abgearbeitet sein.“

Weiter schreibt ZEIT ONLINE im gleichen Artikel: „So sehr sich VW jetzt um Wiedergutmachung bemüht und so gigantisch der Aufwand dafür auch ist: Offen bleibt die Frage, warum man nicht schon vorher die Software so programmiert hat, dass die Stickoxidemissionen stets unter dem Grenzwert blieben.“

 

Ich nehme an, genau hier rührt die ZEIT an des Pudels Kern:

Die NOx-Messwerte in einigen Städten und die so genannte „Schummel-Software“ der Automobilkonzerne haben im Grunde gar nichts miteinander zu tun.

Denn es stellt sich nun offenbar heraus, dass die Einführung der so genannten Euro-Normen und die Festlegung von NOx Grenzwerten nicht so aufeinander abgestimmt waren, dass Konflikte in dem Ausmaß, wie wir es heute erleben, ausgeschlossen werden konnten.

So etwas nennt man gemeinhin „grob fahrlässig“ – und grobe Fahrlässigkeit ist vom Vorsatz in der Regel nur mit Hilfe eines sehr guten Anwalts zu unterscheiden.

Wenn jetzt Fahrverbote für EURO 4 und 5 Diesel verhängt werden, und bald wohl auch für Fahrzeuge nach der EURO 6 Norm, obwohl fast alle inzwischen von der Schummelsoftware befreit sind und ihre NOx-Emissionen unter den Grenzwerten bleiben, dann ist nicht die Industrie dafür verantwortlich zu machen, dass die auch aus dem Abmahngeschäft wohlbekannte Umwelthilfe Fahrverbote erklagt, sondern ausschließlich die Unfähigkeit und/oder Fahrlässigkeit des Gesetzgebers.

An dieser Stelle weiterzudenken verpflichtet automatisch zum Tragen eines Aluhutes, damit unbescholtene Zeitgenossen gewarnt sind, den Verschwörungstheoretikern nicht auf den Leim zu gehen.

Der Denkaufwand, der benötigt wird, um festzustellen, dass der ganze Dieselskandal auf der deutschen Seite der Weltkugel nichts anderes ist als wieder einmal ein gigantisches Konjunkturprogramm, wie auch die so genannte „Energiewende“ nichts anderes war und ist als ein gigantisches Konjunkturprogramm, bleibt allerdings deutlich unter dem Schwellenwert für eine echte Verschwörungstheorie. Es liegt sozusagen klar auf der Hand.*)

Weshalb ich nicht nur meinen Diesel weiterfahren werde, so lange es geht, sondern mir  auch keinen Aluhut aufsetzen werde.

 

*) angeblich alter DDR-Witz, vorzutragen mit Ulbricht-Fistelstimme:

… und wieder ist unseren Ingenieuren und Wissenschaftlern ein technisches Wunder gelungen. Ab sofort finden Sie in jedem HO-Markt das einzigartige, „Beidseitig benutzbare Toilettenpapier“. Der Erfolg liegt klar auf der Hand …

 

 

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November 1st, 2018 by Egon W. Kreutzer

Als am 1. September 2018 morgens um 5.09 Uhr viele der auf dem Raffieneriegelände der Bayern Oil in Vohburg verteilten Sensoren Gasalarm auslösten, war die Vorwarnzeit zu kurz.

Schon zwei Minuten später kam es zur Explosion eines Anlagenteiles im so genannten „Prozessfeld“. Feuerbälle schossen in den Himmel und eine gewaltige Druckwelle ließ die Fenster in der 13 Kilometer entfernten „Integrierten Leit Stelle“ (ILS) in Ingolstadt wackeln.

Auch zwei Monate nach der Havarie der Raffinerie ist die Ursache des Unfallgeschehens noch vollständig unklar.

Wenn ich mich ganz naiv stelle, dann komme ich zu dem Schluss, dass es ein großes Leck an einer unter Druck stehenden Leitung oder einem unter Druck stehenden Behälter gegeben haben muss, aus dem sehr schnell große Mengen gasförmiger Stoffe entwichen, sich mit der Außenluft zu einem zündfähigen Gemisch vermengten, sich an der nächstbesten Zündquelle entzündeten und explosionsartig verbrannten.

An jeder Waschmaschine, die auf sich hält, ist eine kleine Vorrichtung montiert, die sicherstellt, dass bei einer Fehlfunktion, vor allem aber bei einem geplatzten Schlauch, die Wasserzufuhr direkt an der Zapfstelle unterbrochen wird. Aqua-Stop heißt das Ding und ist weit mehr Verkaufsargument als tatsächlich hilfreich, denn Schäden, die per Aqua-Stop verhindert werden könnten, sind viel zu selten als dass der Aufand der Ausrüstung aller Waschmaschinen mit dem Aqua-Stop sich tatsächlich rentieren könnte.

Das weiß natürlich die einzelne schwäbische Hausfrau nicht, die sich lieber mit einem Aufpreis von 20 bis 200 Euro vor dem Risiko der Überschwemmung schützt und alle sechs bis acht Jahre mit der planmäßig  defekten Waschmaschine auch einen keineswegs defekten Aqua-Stop entsorgt.

Die Konstrukteure von großtechnischen Anlagen wissen es.

Tausende von Leitungen automatisch zu schließen, wenn ein Druckabfall festgestellt wird, macht die ganze Anlage nur noch viel komplizierter und unbeherrschbarer und außerdem viel zu teuer. Das lassen wir lieber bleiben.

Die stattdessen eingesetzten Gassensoren, die ganz bestimmt in einer Leitwarte kleine rote LEDs zum Flackern brachten, was nachträglich aus dem Computer-Logbuch der Anlage ausgelesen werden konnte, halfen in diesem Fall auch nicht weiter.

Um 6.07 Uhr, also fast eine Stunde nach der ersten Explosion, meldet die Einsatzleitung vor Ort an die ILS: „Unkontrollierter Austritt von Benzin und Gas“.

In Rain am Lech, 50 km von Vohburg entfernt und in Donauwörth, 60 km von Vohburg entfernt, werden von Sensoren Explosionen gemeldet und im Umkreis von 20 km um die Havarie springen automatische Brandmeldeanlagen an.

Ob die Ansprechempfindlichkeit der Sensoren im weiten Umland falsch eingestellt war, sei dahingestellt. Fest steht, dass durch eine ganze Reihe von Fehlalarmen zusätzliche Unruhe ausgelöst wurde und Einsatzkräfte gebunden wurden.

Nüchtern betrachtet hat die Überwachung der havarierten Anlage nicht so funktioniert, dass der Schaden hätte vermieden werden können, während die Überwachung vieler Anlagen im großen Umkreis zu einer ganzen Reihe von Fehlalarmen führte.

Hier der Bericht aus der lokalen Presse.

 

Dies korrespondiert sehr gut mit dem Ergebnis des Tests der Gesichtserkennungssoftware am Berliner Südkreuz, wo Bundespolizei und die Deutsche Bahn AG über viele Monate hinweg testeten, ob Gesichtserkennungssoftware die Gesichter der Testpersonen erkennt oder nicht. Öffentlich bejubelt wurde dabei die hohe Treffergenauigkeit von 80 Prozent  und die niedrige Zahl von Fehlalarmen von nur 0,1 Prozent.

Kritische Geister haben diese relativen Angaben in absolute Werte übersetzt – und da heißt es dann, bei einer bundesweiten Verfügbarkeit der Systeme an allen Bahnhöfen sei mit täglich 11.980 Alarmen zu rechnen, weil vermeintlich ein gesuchter Gefährder erkannt worden sei.

Wollte man all diesen „Verdachtsfällen“ mit einer Personenkontrolle nachgehen, müssten jährlich ungefähr 4 Millionen Einsätze zur Überprüfung der Erkenntnisse der Gesichtserkennungssoftware erfolgen, was – grob gerechnet  und ohne Berücksichtigung der bürokratischen Aufwände – der Netto-Dienstzeit von etwa 2.200 Streifenpolizisten entspricht, die vermutlich in 90 Prozent der Fälle den Verdächtigen nicht mehr antreffen würden, weil der ja nicht im Bahnhof wohnt, sondern sich nur nach der Ankunft oder vor der Abfahrt kurz dort aufhält,  Und unter jenen, die noch angetroffen werden, könnte dann jeder hundertfünfzigste tatsächlich ein Treffer sein

Lesen Sie dazu  diesen Artikel bei achtgut.com.

 

Zugegeben, ich kenne mich mit dem Betrieb von Raffinerien nicht aus. Ich weiß nur, dass hier gigantische Chemiefabriken fast gänzlich ohne menschliches Personal betrieben werden.

Kleine Bahnhöfe meiner Jugend, die heute allenfalls noch über einen meist defekten Fahrkartenautomaten verfügen, hatten damals  einen Bahnhofsvorsteher, eine Person für das Stellen der Weichen und die Bedienung der Schranken, einen Fahrkartenverkäufer, einen Gepäckannehmer und -ausgeber, einen Fahrkartenkontrolleur am Durchgang zum Bahnsteig. Dazu kam einer, der vor der Abfahrt  kontrollierte, ob die Türen geschlossen waren und dem Lokführer mit der Trillerpfeife das Signal zum Losfahren gab. Hinzu kam das Bahnhofsrestaurant mit kalten und warmen Speisen vom Koch aus der Küche und dem Bier vom Fass, das vom korrekt gekleideten und frisierten Ober serviert wurde, sowie für die Reisenden der zweiten und dritten Klasse der Kiosk draußen, vor dem Bahnhof.

Ich vermute, dass auch Ölraffinierien damals mit mehr Personal betrieben wurden als heute.

Ich vermute, dass damals ein statt Sensoren und Servo-Motoren in der  Raffinerie beschäftigter Mitarbeiter – womöglich unter Einsatz seines Lebens – nach dem Auftreten des Gaslecks ganz schnell ein großes Ventil geschlossen hätte, um das Unglück zu verhindern.

Es geht mir nicht darum, in einem Anfall von Nostalgie eine „gute alte Zeit“ an die Wand zu malen. Die hat es so nicht gegeben, die gute alte Zeit.

Allerdings gab es in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch wirkliche Vollbeschäftigung, mit Jobs, von denen man durchaus leben konnte, ohne aufstockende Leistungen in Anspruch nehmen zu müssen, auch die Kleinstädte hatten noch lebendige Innenstädte, die Arbeitszeiten wurden eingehalten und Überstunden wurden bezahlt, es gab noch keine Pisa-Studie, aber engagierte Lehrer und überwiegend wissbegierige Schüler, man konnte noch bei einer Versicherung anrufen und von der ersten Minute an mit einem Menschen sprechen …

Betrachtet man die damaligen Personalzahlen der Unternehmen in Relation zu ihren Umsätzen, dann fragt man sich schon, wie die denn damals überhaupt wirtschaften konnten, wo doch heute viele viel „schlankere“ Unternehmen nicht mehr über die Runden kommen.

Das gilt auch für die öffentlichen Verwaltungen. So ein Rathaus, das strotzte vor Leben, vom Pförtner bis zur Zweitsekretärin des Bürgermeisters – wie konnten die das damals bezahlen, wo man zugleich auch noch reihenweise Schwimmbäder und Straßen baute, und das ohne sich bis unters Dach zu verschulden?

Dabei sollte man die Frage besser anders herum stellen.

Man muss sich doch fragen, wie heutzutage Unternehmen überhaupt noch überleben können, wo doch immer weniger Menschen gute Arbeit haben und dafür guten Lohn bekommen, so dass auch immer weniger Menschen noch genug Geld haben, um sich nach der Miete und dem Handy auch noch ein Feierabendbier leisten zu können.

Apropos Feierabendbier. Da sieht man es besonders deutlich. 1960 gab es pro 100 Einwohner mindestens einen gastronomischen Betrieb, und das auch in der Fläche. Heute liegt das Verhältnis bei 1:500 und die Dorfwirtschaften auf dem flachen Land sind alle weg, bis auf die wenigen, die sich als Ausflugsgaststätten über Wasser halten konnten.

Damals hatte auch noch jedes Dorf seinen Polizisten.

Unsere Gesellschaft hat, wo immer es nur möglich schien, Personalkosten durch Kapitalkosten ersetzt, Menschen durch Investitionen in Maschinen, Apparate, Computer und Roboter.

Diese kaufen, das wusste schon Henry Ford, allerdings keine Autos und sie setzen sich auch nicht zum Feierabendbier in die Kneipe.

Dass trotz dieser vielen „Blechidioten“ in Produktion und Verwaltung die offizielle Zahl der Arbeitslosen jetzt gerade wieder mit unter 5 Prozent  angegeben werden kann, liegt nur daran, dass Mensch und Maschine längst nicht mehr nur für den eigenen Bedarf produzieren, auch nicht für den eigenen Überfluss, sondern zu Niedrigstlöhnen für den Export!

Bedenke: Jeder Euro Exportüberschuss ist Reingewinn in den Kassen der Exportwirtschaft – und damit die Steuern vom Gewinn niedrig bleiben, müssen die teuren Polizisten aus Fleisch und Blut gegen Videokameras mit Gesichtserkennungssoftware ausgetauscht werden, müssen Anlagenfahrer in der Petrochemie durch Sensoren ersetzt werden, darf der Bürgermeister am PC seine Protokolle selber tippen, statt zwei Sekretärilnnen zu beschäftigen – und nun beginnt gerade die Ablösung der Lkw- und Bus-Fahrer durch selbstfahrende Lkws und Busse. Das macht, trotz der miserablen Bezahlung der Fahrer, alleine auf den Lkw-Verkehr in Deutschland bezogen, eine Personalkostenersparnis und damit einen Netto-Gewinn von rund 25 Milliarden Euro jährlich aus.

Noch gigantischer die Ersparnis, wenn das Bargeld erst abgeschafft ist und an den Kassen im gesamten Einzelhandel nur noch Scanner und RFID Chips den Bezahlvorgang abwickeln.

 

Ja. Wir können uns jetzt viel mehr und in viel besserer Qualität leisten.

Wenn ich an meinen Großvater denke, der in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nie auf die Idee gekommen wäre, die Wände seiner Wohnung selbst zu tapezieren, obwohl er selbst auch nur einer von den so genannten „kleinen Leuten“ war, weil die Rechnung des Malers und Tapezierers noch nicht unbezahlbar hoch war, und wenn ich dann mit meinem Eimer Ultra-wer-weiß-wie-weiß-Weiß für 60 Euro vom Baumarkt nach Hause ziehe, um meine „Freizeit“ damit zu verbringen, die ewige Raufaser ein weiteres Mal neu anzustreichen, dann kommen mir daran erhebliche Zweifel.

Zumal mein Großvater auch seine Hosen noch vom Schneider anfertigen lassen konnte …

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Oktober 21st, 2018 by Egon W. Kreutzer

Der EWK-Deutschland-Index – die Kennzahl für Deutschland
(siehe rechte Spalte)

Anders als der Ifo-Geschäftsklima-Index und der Konsumklima-Index der GfK wird der EWK-.Deutschland-Index nicht monatlich, sondern, wann immer möglich, täglich ermittelt und dem interessierten Publikum zur Verfügung gestellt.

Der EWK-Deutschland-Index ist ein Index für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Klima in der Republik, ein Anstieg dieses Wertes weist auf Prosperität, wachsenden Wohlstand und ein Erblühen der bürgerllichen Freiheiten hin, während das Sinken der Punktzahl wirtschaftliche Schwäche, wachsende Armut und Beschränkung der Freiheitsrechte hindeutet.

Dies alles in einer einzigen Zahl unterzubringen, erfordert eine sorgfältige Auswahl der für die Ermittlung der Kennzahl herangezogenen Basiswerte.

Wir berücksichtigen in unserer Formel insgesamt vier Werte permanent, nämlich den aktuellen Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseemarke Brent am Spotmarkt in US-Dollar, den Schlusskurs des Deutschen Aktienindex DAX vom Vortag, den Preis für eine Unze Feingold in Euro und die Prognose für den Stimmenanteil der Grünen aus der jüngsten Sonntagsfrage.

Der sich daraus ergebende Basis-Wert kann, muss aber nicht, bei Auftreten eklatanter Sondereinflüsse wie z.B. außergewöhnliche Twitter-Gewitter Trumps, Sonnenfleckenmaxima, Merkelbeben, etc. durch geheime Korrekturfaktoren in diese oder jene Richtung manipuliert  werden.

Grundsätzlich gilt: Je höher DAX und Goldpreis und je niedriger Rohölpreis  und Grünenprognose, desto freundlicher zeigt sich der EWK-Deutschland-Index. Warum das so ist, werde ich nach und nach bei der Interpretation der Veränderungen noch erläutern.

Am Sonntag zwischen den beiden kriegsentscheidenden Landtagswahlen ergab die Ermittlung – vollkommen unbeabsichtigt – den Wert von glatt 500 Punkten.

Für mich das Signal, ab sofort mit der Veröffentlichung zu beginnen und diesen so griffigen Wert als den Punkt maximaler Orientierungslosigkeit anzusehen, von dem aus in beiden Richtungen noch alles  möglich ist.

Ein tröstlicher Hinweis schon heute, zu Beginn der Aufzeichnungen: Der EWK-Deutschland-Index kann zwar theoretisch kleiner als 1 werden, aber niemals negativ.

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Oktober 5th, 2018 by Egon W. Kreutzer

Da macht der WWF ein ungeheuerliches Bohei. Es sei die pure Verschwendung, wird da getrommelt  und gepfiffen,

  • die Ernte einer Ackerfläche, größer als ganz Mallorca (400.000 Hektar) würde jährlich verschwendet,
  • 2,46 Millionen Tonnen  Treibhausgase  würden  dabei erzeugt,
  • insgesamt ginge es um 1,7 Millionen Tonnen Brot und Brötchen, die jährlich weggeworfen werden,

so wird vermutet (!)

denn, und da tritt dem WWF doch schon wieder die Zornesader auf die Stirn, es bleibt ja nichts anderes übrig als zu schätzen.

Wie anderswo auch, wo der  WWF die Lebensmittelverschwendung beklagt, fehlt es auch bei Brot- und Backwaren an belastbaren Daten.

 

Golo spaziert Golo ist einer, der den Irrsinn erkennt. Folgen Sie ihm auf seinen Spaziergängen  im Land der sicheren Freiheit. Sie werden an Verschollenes erinnert und im Zorn eines entnervten Gottes mitbeben, wenn er sich an Richtern, Staatsanwälten und Journalisten rächt. Ein besonderes Buch.

mehr erfahren?

 

Die wissen also nichts, blasen aber die Backen auf wie die Ochsenfrösche in der Balz, und die Tagesschau verbreitet den Blödsinn auch noch.

Da stellt sich mir dann schon die Frage, wer da nicht mehr alle Latten am Zaun hat!

Nehmen wir an, die grob geschätzte Menge stimmt, dann handelt es sich bei den angegebenen 1,7 Millionen Tonnen aber eben immer noch nicht, wie suggiert wird, um Abfall.

Im Kleingedruckten heißt es dann auch: Nicht verkaufte Ware werde entweder gespendet (aha! die Tafeln lassen grüßen), am Ende des Tages verbilligt abgegeben, oder weiterverarbeitet.

Weiterverarbeitet wird zu Tierfutter, Semmelmehl oder Biogas.

Alle diese Verwendungsarten der Überproduktion müssten, stünde diese Überproduktion nicht zur Verfügung, mit kaum geringerem Aufwand an landwirtschaftlicher Fläche und Energieeinsatz eigens hergestellt werden.

Da es Zahlen nicht gibt, darf der WWF, ohne den Beweis anzutreten, auch behaupten, ein Teil lande im Abfall.

Bei Licht betrachtet ist das, was hier angeklagt wird,
eine großartige Leistung der Branche!

Man zeige mir den Fünf-Jahres-Plan der DDR, der im Ergebnis so dicht  am Bedarf gelegen hätte!

Fast überall finden die Berufstätigen, die anders kaum eine Chance haben, auf dem Nachhauseweg, kurz vor Ladenschluss noch weite Teile des Sortiments vor – und dennoch ist das, was definitiv übrig bleibt, kaum der Rede wert.

1,7 Millionen Tonnen pro Jahr, das sind 57 Gramm pro Person und Tag. Der weitaus überwiegende Teil wird noch verwertet, also „recycelt“ und  spart so den Einsatz neuer Rohstoffe.

Wenn’s hochkommt, ist es davon ein Viertel, also 15 Gramm  pro Nase, nicht mehr als ein halbes, kleines Brötchen, was tatsächlich  in Richtung Biomüll wandert. Aber auch das ist nicht verloren, denn schon ein paar Monate später ist daraus wunderbar krümeliger Kompost geworden, den sich der Gärtner aufs Gemüsebeet streut, was wiederum den Raubbau der Torfstecher an den Mooren verlangsamen hilft.

 

 

 

 

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Oktober 4th, 2018 by Egon W. Kreutzer

 

Reichtum kann nicht dadurch entstehen, dass man Hungerlöhne zahlt und Wucherpreise verlangt.

 Die ganze Sache mit der Produktion und dem Konsum, mit Löhnen und Preisen, auch mit Inflation und Fiat Money geht hinten und vorne nicht auf.

Wer die Welt in zwei Lager teilt und auf der einen Seite die Reichen, das Kapital, die Arbeitgeber ansiedelt und auf der anderen Seite die Arbeitnehmer und Konsumenten, muss feststellen, dass der Versuch der Reichen, dadurch noch reicher zu werden, dass sie die Arbeit billig einkaufen und die Produkte teuer verkaufen, schlicht und einfach nicht funktionieren kann.

Wenn als Kaufkraft nur jene Geldmenge zur Verfügung steht, die von den Arbeitgebern in Form von Löhnen in den Markt eingebracht wurde, ist es vollkommen ausgeschlossen, die Produktion mit Gewinn zu verkaufen. Schließlich gilt: Gewinn = Umsatz minus Kosten

Das erzähle ich nun schon seit fast zwanzig Jahren und während dieser zwanzig Jahre sind die Reichen reicher geworden, obwohl – und weil – die Armen ärmer geworden sind, was nicht gerade als Beweis für meine These gelten kann.

Doch gibt es sicherlich unter meinen Lesern einige, die sich daran erinnern, dass ich auch stets von drei Möglichkeiten gesprochen habe, den Geldmangel auf der Konsumentenseite zu beheben, nämlich den Export, also das Anzapfen eines anderen Wirtschaftsraumes, die Neuverschuldung, also das Anzapfen der Zukunft, sowie das Entsparen und den Verkauf von Sachwerten, also das Anzapfen des vorhandenen Vermögens.

Doch das Potential dieser Möglichkeiten, Liquidität zu generieren, ist begrenzt. Export darf  nicht durch  Import kompensiert werden, sondern „Exportüberschuss“ sein, um wirksam zu werden. Exportüberschuss führt jedoch zwangsläufig zur Verschuldung der Außenhandelspartner und stößt damit ebenfalls an die Grenze der Neuverschuldung, die als „Überschuldung“ in Erscheinung tritt und die Kreditwürdigkeit des Schuldners zerstört. Das Anzapfen von Geld- und Sachvermögen endet spätestens, wenn das positive Vermögen aufgezehrt ist.

Sobald allerdings sämtliche Sachwerte auf der Seite der Reichen, des Kapitals, der Arbeitgeber versammelt sind, wird das Wirtschaften nach kapitalistischen Prinzipien sinnlos. Es stellt sich spätestens dann heraus, dass ein Wirtschaften, dessen einziger Effekt für den Unternehmer darin besteht, noch Geld anzuhäufen, sinnlos ist, weil es nichts mehr gibt, was noch mit Geld zu erwerben wäre.

 

Jüngst wurde eine vollautomatische Paprikaschoten-Erntemaschine vorgestellt.

Angeblich handelt es sich dabei sogar um einen Roboter. Die Tschechen wissen, weil der Begriff ihrer Sprache entstammt, dass „Roboter“ zum Frondienst gezwungene Arbeiter sind.

Der Roboter erledigt also Arbeit. Damit trägt er ganz erheblich dazu bei, die schrecklichen Auswirkungen des Fachkräftemangels zu lindern. Je besser die Roboter werden, und je mehr davon eingesetzt werden können, desto weniger Fachkräftemangel wird es geben. Das ist gewiss, und wenn das Problem des Fachkräftemangels erst einmal vollständig gelöst ist, wird es auch kein Problem mehr sein, die Ernährung von 10 Milliarden Menschen zu sichern.

Darüber jedenfalls macht man sich bei den Unkrautvernichtungschemikern sehr viele Gedanken: Wie man bei beschränkter Anbaufläche, die zudem mit jedem zusätzlichen Menschen sogar eher noch ein bisschen schrumpft, beim Wachstum der Nahrungsmittelproduktion mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten soll. Nun, im Grunde ist ja so ein Ackergift auch ein Roboter. Es erledigt zuverlässig die Arbeit, den Acker von den Nahrungskonkurrenten der Nutzpflanzen frei zu halten. Ein Job, den man sonst unter Umständen mechanisch – also schlimmstenfalls mit der Hacke in der Hand von Fachkräften erledigen lassen müsste.

Natürlich ist der Einsatz von Robotern oder Agrochemie bei gleichem Ergebnis  billiger als der Einsatz von Menschen. Etwas korrekter ausgedrückt lautet die fürs Lehrbuch taugliche Aussage:

Rationalisierungsmaßnahmen haben die Senkung der Herstellkosten zum Ziel.

Im Umkehrschluss lässt sich daraus ableiten: Die Investition in einen Roboter, dessen Gesamtkosten (Anschaffung + Wartung + Energie) – über seine gesamte Nutzungszeit gesehen – höher sind als die Lohnkosten, die zur Erzielung der gleichen Leistung aufgebracht werden müssten, ist nicht rentabel.

Darf ich Sie einladen, an einem Gedankenexperiment teilzunehmen:

Stellen Sie sich eine Welt vor,  in der nur eine einzige Ware – nämlich die Paprikaschote – produziert, distributiert und konsumiert wird.

In dieser Welt werden selbstverständlich Löhne bezahlt an festangestellte Paprikapflanzer, teilzeitbeschäftigte Paprikagießer, Zeitarbeitskräfte, die den Paprikadünger ausbringen und polnische Saisonarbeiter, die die Paprikaernte einbringen, Paprikafachverkäuferinnen in Paprikasupermärkten wären auf 450 Euro-Basis beschäftigt und erhielten aufstockende Leistungen vom Amt. In dieser Welt werden selbstverständlich auf alle Löhne Steuern fällig und Beiträge für die Arbeitslosen- und die Rentenversicherung (Krankenkasse gibt es nicht, es  gibt ja in dieser Welt keinen Medizinbetrieb). An der Supermarktkasse wird die Mehrwertsteuer einbehalten, alles so, wie bekannt, sogar genauso gerecht oder ungerecht, egal.

Die Frage ist: Wie wirkt es sich auf diese Welt aus, wenn die Paprika-Ernte, die bisher von polnischen Saisonarbeitern eingebracht und mit fünf Euro pro 50 kg bezahlt wurde, in der nächsten Saison vollständig von Ernterobotern übernommen wird?

Nun, ist gar nicht so schwer zu beantworten, oder?

Der Export von Paprikaschoten nach Polen bricht zusammen, weil die polnischen Saisonarbeiter kein Geld mehr verdienen. Macht nix. Was gehen uns die Polen an.

 

Dummerweise bleiben jetzt doch einige unverkäufliche Paprikaschoten in den Märkten liegen und müssen über die Biomüll-Tonne entsorgt werden. Außerdem hat der Staat ein bisschen weniger Steuern eingenommen, was kleine Kürzungen bei den Renten erforderlich macht. Um im nächsten Jahr nicht wieder tonnenweise Paprikaschoten vernichten zu müssen, wird die Anbaufläche verkleinert.

ABER: Abgesehen davon, dass die Polen in dieser sonderbaren Paprikawelt nun zum Verhungern verurteilt sind, ist nichts Schlimmes zu beobachten.

 

Spinnen wir das Gedankenexperiment ein bisschen weiter. Stellen Sie sich vor, alle Paprika-Märkte werden auf Automatenbetrieb umgestellt. Sämtliche Kassiererinnen werden entlassen und melden sich arbeitslos.

Haben Sie die Auswirkungen dieser Maßnahme immer noch vollständig auf dem Schirm, oder wird das schon viel zu kompliziert?

Nehmen wir an, in dieser Welt sitzen verantwortliche, unbestechliche Politiker an den Schalthebeln der Macht und sind bestrebt, wirklich das Beste für das Volk zu tun. Dann wird man zuerst die Mehrwertsteuer soweit erhöhen, dass die Mehreinnahmen ausreichen, um den arbeitslosen Paprikaverkäuferinnen den Regelsatz auszahlen zu können, so dass diese nicht, wie die Polen, verhungern müssen, aber den Gürtel schon ein bisschen enger schnallen.

Außerdem müssen natürlich auch die Pflanzer, die Gießer und die Dünger jeweils ihre Gürtel enger schnallen, weil bei steigenden Preisen, wegen der Mehrwertsteuer-Erhöhung  und gleichbleibenden Löhnen, einfach weniger Paprika fürs Geld zu bekommen ist.

Unter dem Strich fällt auf, dass Paprikaschoten im Gegenwert der eingesparten Löhne der Verkäuferinnen am Ende als unverkäufliche Reste in die Tonne getreten werden müssen.

Natürlich könnte der Dachverband der Paprikawirtschaft beschließen,
die Ladenpreise für Paprika aller Sorten und Qualitätsklassen so weit zu senken,
dass trotz der vielen arbeitslosen Verkäuferinnen, die auf Hartz-IV angewiesen sind,
nd trotz des durch die Mehrwertsteuererhöhung ausgelösten Kaufkraftverlustes
alle Paprikaschoten verkauft und alle Bewohner dieser Welt
(Polen bleiben ausgenommen)
wieder satt werden könnten…

…  doch wofür hätte man dann rationalisiert?

 Der Staat, dessen Haushalt nun definitiv ins Defizit abgleitet, könnte sich zwar verschulden, die Überproduktion aufkaufen und an die Bedürftigen verteilen, ja sogar Hilfslieferungen nach Polen schicken, doch die Prognose weiter wachsender Ausgaben bei weiter sinkenden Steuereinnahmen für die nächsten Jahre lässt solch leichtfertigtes Tun zu Lasten der nachfolgenden Generationen einfach nicht zu.

Der Dachverband der Paprikawirtschaft kommt anlässlich seiner Jahreshauptversammlung zu der bitteren Erkenntnis, dass man zwar die Zeichen der Zeit erkannt und alles unternommen habe, um auch weiter als Rückgrat der Volkswirtschaft gute Geschäfte machen zu können, doch fehle es in letzter Zeit irgendwie an der Bereitschaft, Paprika zu konsumieren, so dass Umsatz und Ertrag leider, leider nun schon im zweiten Jahr rückläufig seien. Der Verband beschließt, eine polnische Werbeagentur mit der Einrichtung einer gemeinsamen Versuchsküche zu betrauen, die leckere Paprikagerichte kreieren wird und eine einmalige Werbekampagne mit diesen neuen Rezepten und viel guter Laune durchziehen soll, um wieder mehr Lust auf Paprika in die Welt zu bringen.

Klar, die Kosten der Werbekampagne wirken preistreibend. Tatsächlich steigt der Verkaufserlös, weil sich der Export nach Polen wieder belebt, andererseits bleiben die Verkaufserfolge in Deutschland mau, die höheren Preise sorgen für einen rückläufigen Mengenabsatz, so dass wieder viele Tonnen Paprika in die Tonne getreten werden müssen.

 

Alles auf Anfang! Weg mit dem technischen Fortschritt, weg mit den Robotern!

Quatsch! Das Problem wird nicht durch die Technik verursacht. Die hilft doch nur, einem Leben in Glück und Wohlstand immer näher zu kommen, ja irgendwie das Schlaraffenland noch erleben zu dürfen. Aber das stimmt so leider auch nicht. Die ganze Geschichte, wie Sie uns wieder und wieder erzählt wird, stimmt hinten und vorne nicht.

Es ist ja schon irre, wenn argumentiert wird, um die wachsende Menschheit versorgen zu können, müsse die Arbeit immer weiter automatisiert werden. Und zwar einesteils, um die Mengen bewältigen zu können, und andererseits, um die Preise attraktiv gestalten zu können.

Diese Gedanken entspringen einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise und folgen den Gesetzen des Wettbewerbs in einem vermeintlich unendlichen Markt. Dort wird derjenige Unternehmer, der mit den niedrigsten Kosten die nachgefragten Mengen zu konkurrenzlos niedrigen Preisen anbieten kann, den Wettbewerb gewinnen. Volkswirtschaftlich betrachtet muss allerdings die Kostenersparnis durch Rationalisierung höher ausfallen als die an den Markt weitergegebene Preissenkung. D.h., der Gewinn des Siegers im Wettbewerb in einem Marktsegment, hat im gesamten Wirtschaftsraum die Freistellung von Arbeitskräften und ein Absinken der Nachfrage zur Folge.

Dieser schleichende Prozess bleibt nahezu unsichtbar, solange es immer noch gelingt, neue Schuldner aufzutreiben, z.B. durch die Erweiterung der EU, solange es immer noch gelingt, neue Exportmärkte zu erschließen und solange es noch gelingt, Vermögen – und vor allem „Volksvermögen im Zuge der so genannten Privatisierung – zu liquidieren. Es ist wie der Sprung vom Dach des Hochhauses, der, je länger er dauert, die Gewissheit verstärkt, was so lange gutgegangen ist, könne gar nicht mehr schiefgehen.

 

Um die Problematik, die hier nur angerissen werden kann, vollends zu überblicken, braucht es sowohl das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten und Strategien erfolgreichen, betriebswirtschaftlichen Handelns, die Erkenntnis, wie betriebswirtschaftliche Entscheidungen im Wettbewerb stehender Unternehmen volkswirtschaftliche Entwicklungen, in positiver wie in negativer Richtung auslösen, und die Fähigkeit, im scheinbaren Chaos der freien Marktwirtschaft jene Knackpunkte zu erkennen, die das  gesamte System zum Kippen bringen können.

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Prof. Dr. Fabian Dittrich, der selbst Betriebswirtschaft lehrt, hat die „Essentials“ der Betriebswirtschaftslehre, vollkommen frei von Formeln  und Diagrammen, in ein umfassendes, klug aufgebautes und auch für Laien verständliches Manuskript gepackt.

Weil es ihm darum ging, das Verständnis für das „Ganze“ zu fördern, ist er zudem in weiten Teilen auf die volkswirtschaftlichen Implikationen eingegangen.

Als ich, als Verleger, mich mit dem Manuskript befasste, kam ich auf die Idee, zu den einzelnen Kapiteln noch einige ergänzende Aussagen zu
machen, die auch noch den Blick für die systemischen Knackpunkte öffnen, die in der Hektik des erfolgreichen Tagesgeschäftes nicht
wahrgenommen oder schlicht ignoriert werden.

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Oktober 2nd, 2018 by Egon W. Kreutzer

Heute Nacht, so die Meldungen der Presse, habe man sich beim Koalitionsgipfel auf Maßnahmen zur Vermeidung von Dieselfahrverboten geeinigt.
Nichts Genaues, so heißt es weiter, wüsste man nicht. Auch, ob „die Industrie“ bereit sei, die geheimgehaltenen Maßnahmen mitzutragen, sei nicht in Erfahrung zu bringen.

Aus dem dusteren Gewaber der Verlautbarungen lässt sich eigentlich nur ein Schluss ziehen: Der erlauchte Kreis der Koalitionsspitzen hat sich zwar geeinigt, doch Merkel, Seehofer und Nahles stehen noch derart unter dem Eindruck der Folgen der Maaßen-Einigung 1.0, dass sie nichts mehr fürchten als den Druck aus den jeweils eigenen Reihen, der schon wieder dazu zwingen könnte, die Einigung als voreilig und unbedacht hinstellen und in einer weiteren Nacht-und-Nebel-Aktion revidieren zu müssen. Ein Vorgehen, das schon beim ersten Mal weniger an Regierung als vielmehr an Comedy erinnerte und die Umfragewerte aller Beteiligten im harmonischen Gleichklang sinken ließ.

Damit steht der ratlose Beobachter vor der Henne-Ei-Frage, was wohl zuerst da war: Der Diesel-Skandal oder die große Koalition.

Doch wer immer nur unter der Laterne sucht, weil da das Licht hinfällt, der wird den Haustürschlüssel nicht finden.

Womit hat der Diesel-Skandal begonnen?  Der Diesel-Skandal hat damit begonnen, dass „jemand“ auf die Idee kam, Kohlenstoffdioxyd, also das „stinknormale“ Produkt einer vollständigen Verbrennung, das von allen sauerstoffatmenden Lebewesen ebenso produziert wird, wie von jedem Buschbrand, das zugleich von allen Pflanzen aus der Luft aufgenommen, in Kohlenstoff und Sauerstoff aufgespalten wird, wobei der Sauerstoff wieder an die Atmosphäre abgegeben wird, dass also dieses Gas, stiege sein minimaler Anteil in der Atmosphäre auch nur noch ganz geringfügig an, den Weltuntergang auslösen würde. Weltuntergang, teils wörtlich, weil weite Teile festen Landes unter dem Schmelzwasser der Gletscher und der Eisschilde der Arktis und Antarktis versinken würden, und andererseits im übertragischen Sinne, weil in der Bruthitze einer von Wirbelstürmen und Sintfluten durchgeschüttelten Welt menschliches Leben  gar nicht mehr möglich wäre.

Lassen wir für den Augenblick vollkommen dahingestellt sein, ob dieses Glaubensbekenntnis in irgendeinem Zusammenhang mit der Realität stehen könnte: Die Lehre fand ihre Anhänger, ihre Verkünder, ihre Märtyrer, geriet unter die Fittiche des Staates und wurde, trotz aller vorgeblich vollzogenen Trennung von Staat und Kirche, vollwertiger Bestandteil der Staatsreligion, ging ein in das Buch der Political Correctness und löste nicht nur das Glühbirnensterben, sondern auch einen Dämmstofftsunami und viele andere Zeichen des himmlischen Wohlgefallens aus. Unter anderem die Hinwendung der Automobilisten zum Diesel, weil der, bauartbedingt, im Vergleich mit dem Benziner, weniger Kohlenstoff verbraucht, um die gleiche Leistung zu erbringen.

Wo aber pro 100 km weniger Kohlenstoff vorne reingeschüttet werden muss, kann zwangsläufig hinten auch nur weniger Kohlenstoffdioxyd herauskommen. Also wurde in der Klimakirche ein Seitenaltar für den Diesel errichtet, gleich neben dem Photovoltaik-Altar, und wer schon Solarzellen auf dem Dach hatte, der hatte alsbald auch den Diesel in der Garage.

Gleichzeitig, also ungefähr gleichzeitig, so genau lässt sich das nicht mehr feststellen, waren jene Magier, die stets die vertracktesten Handelshemmnisse aus dem kolbenlosen Zylinder zaubern, damit beschäftigt, den Import ausländischer Automobile in die EU dadurch zu erschweren, dass Maximalmengen gasförmiger Stickstoffverbindungen in den Abgasen von Automobilen festgeschrieben wurden, die fernab jeglicher wissenschaftlicher Begründung so niedrig angesetzt wurden, dass sie ohne Hexerei nicht einzuhalten waren. Noch gleichzeitiger wurden Richtlinien erlassen, in denen verordnet wurde, dass nirgends in Deutschland, auch nicht an den ungünstigsten Plätzen und zu Zeiten höchsten Verkehrsaufkommen, der Anteil dieser gasförmigen Stickstoffverbindungen höher sein dürfe als  – nun  ja – ein Fliegenschiss.

Gleichzeitig, also ungefähr gleichzeitig, so genau lässt sich das nicht mehr feststellen, übernahm Angela Merkel die Richtlinienkompetenz, verwechselte diese allerdings mit einer Wünschelrute, deren Funktion sie als Physikerin jedoch zutiefst misstraute, was letztlich dazu führte … Nun gut, das wissen wir alle.

Kaum wurde in den USA unter der Ägide des hochgelobten Obama der Chor der Sammelklagenvertreter wider die deutschen Diesel angestimmt, verspürte Merkel wieder diesen Drang, lieber da nach Stimmen zu fischen, wo die in die NOx-Angst getriebene Mehrheit nur auf das Machtwort der Erlöserin wartete, statt sich verpflichtet zu fühlen, Nutzen zu mehren und Schaden abzuwenden (und zwar jeweils zu Gunsten des deutschen Volkes!).

Zu Hilfe kam ihr dabei ein Verein mit dem schönen Namen „Deutsche Umwelthilfe e.V.“, dem es neben seinen vielfältigen, völlig selbstlosen Abmahn-Aktivitäten tatsächlich gelungen ist, deutsche Richter,

deren Kopf ja mit juristischem Kram so voll ist, dass ihnen schon die Unterscheidung zwischen „vor Gericht“ und „auf hoher See“ kaum mehr gelingt, geschweige denn die Unterscheidung zwischen einer sachgrundfrei erlassenen EU-Schadstoffverordnung und dem realen Schaden, den die Umwelthilfe mit diesem Instrument anzurichten angetreten ist,

dahin zu bringen, Fahrverbote auszusprechen.

Das allerdings ist das Allerletzte, was CDU, CSU und SPD brauchen können.

Millionen von betroffenen Dieselfahrern, allesamt wahlberechtigt, weil hierzulande wählen darf, wer den Führerschein erworben hat und vermutlich deutscher Staatsbürger ist, haben weit weniger Angst davor, beim Durchfahren einer schlecht belüfteten Unterführung vom schleichenden NOx-Tod dahingerafft zu werden, als sinnlos tausende von Euro zum Fenster hinauswerfen zu müssen, nur weil die EU sich einen Hut auf die Stange genagelt hat und die Umwelthilfe den leicht zu beleidigenden Gessler spielt. Die würden also glatt AfD wählen, wenn sie auf die eine oder andere Weise für ihr Dieselfahren zur Kasse gebeten würden.

Millionen von CO2-Gläubigen ohne eigenen Diesel, von denen viele ebenfalls wahlberechtigt sind, weil schlicht alt genug, obwohl „Alt-genug-Sein“ noch weniger vor Torheit schützt, als „Alter“ alleine, sind mehrheitlich der Überzeugung, CO2 und NOx seien nur zwei verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Sache, so wie der eine halt vom Kompass spricht und der andere von der Bussole. Die haben selbstverständlich keine Angst, tausende von Euro für einen neuen abgasreduzierten Benziner ausgeben zu müssen (das dauert noch mindestens ein Jahr, bis die dann ebenfalls rasiert werden), aber doch sehr, sehr viel Angst vor dem NOx und dem CO2 (und ein bisschen Schadenfreude, weil der Nachbar, mit seinem Diesel, nun sieht, was er davon hat). Die würden glatt die Grünen wählen, wenn sie zu der Überzeugung kommen, die Regierung ließe sie ungeschützt in der „Gaskammer Deutschland“ verrecken.

Also soll die Industrie den Kopf hinhalten und alles bezahlen, was bezahlt werden muss, bis der letzte Diesel in Deutschland abgemeldet wurde, um danach, bei den Umweltsäuen im Ausland, rücksichtslos bis ans Ende seiner Tage (300.000 km gehen mit dem Diesel immer) weiter NOx in die Atmosphäre zu pusten. Aber was heißt Industrie? Das sind ein paar ziemlich reiche Leute, denen das meiste davon  gehört, und die lassen sich so leicht nichts wegnehmen, zumal eben diese reichen Leute, die den Gewinn einstreichen, für das, was ihre Angestellten tun, in keiner Weise haften. (Um dem Argument zuvorzukommen: Nur Volltrottel halten ihre Aktien, bis sie nichts mehr wert sind. Und die meine ich hier nicht.)

Aber womit soll man der Industrie drohen, um sie zum Zahlen zu bewegen? Da ist nichts. Vor der AfD haben die keine Angst, und vor den Grünen erst recht nicht, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Also wird man der Industrie etwas versprechen müssen. Sonderabschreibungen? Eine vollkommen neue Dienstwagen-Richtlinie? Ausrüstung des Heeres mit Ein-Mann-Elektropanzern? Und wer, wiederum, soll das bezahlen?

Es ist klar. Frau Dr. Merkel wird nicht hingehen,  ihre Privatschatulle öffnen, und die Milliarden herausrücken, um die es hier geht.

 

Fällt der Groschen? Worum geht es?

Es geht um Milliarden. Viele Milliarden.

Um Milliarden, die so bewegt werden müssen, dass die Transaktion „wählervertrauensneutral“ über die Bühne geht, wenn möglich sogar so, dass die Zustimmung für die GroKo dabei wächst, statt zu leiden.

Und so lange das nicht in trockenen Tüchern ist, wird das, worauf man sich geeinigt hat, geheimgehalten.

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