Category: Satire

Oktober 6th, 2018 by Egon W. Kreutzer

… das braune Pack scheut nun nicht einmal mehr davor zurück, die bayerische Nationalhymne für seine Zwecke zu instrumentalisieren …

Der wahre Bayer, als Träger und Stütze einer nach allen Seiten offenen, bunten, multikulturellen Gesellschaft, betrachtet die Nationalhymne als ein kulturelles Artefakt, das – wie Martin Behaims Erdapfel – einer respektvollen Erinnerung würdig ist. Doch so, wie sich heute niemand mehr mit diesem Urglobus ins Auto setzen würde, um auch nur von Unterhaching nach Feldmoching oder von Luckenwalde nach Treuenbrietzen zu navigieren, kann doch wohl auch niemand diese Hymne noch ernstnehmen oder gar in verzückter Inbrunst mitsingen wollen!

Erstens einmal ist ein altes Bundesland, auch wenn es „Freistaat“ genannt  wird, keine Person, mit der man eine vertrauliche Unterhaltung „per Du“ führen könnte. Selbst die Kinseher Luise,  die alle Jahre am Nockherberg die Bavaria mimt, wird sich außerhalb des Starkbiertempels nicht als „du Land der Bayern“ ansprechen lassen. Sollte es ihr dennoch wiederfahren, dann kennt sie die Rufnummer des psychiatrischen Fahrdienstes.

Und dann der Bezug auf Gott. Womit zweifellos seinerzeit einzig der katholisch-bayerische AT+NT-Einheitsgott gemeint sein kann, was schon mit dem ersten Wort der Hymne einen abgrenzenden, ausschließenden, ja rassistischen und fremdenfeindlichen Diskriminierungsrundumschlag auslöst, der nur schwerlich noch übertroffen werden kann.

Und dann dieses Völkische, Vaterländische, die Blut und Boden Fantasie, die mit  „deutsche Erde“ zum Ausdruck gebracht wird. Warum nicht gleich: Die vom Blut unseren tapferen Söhne getränkte Erde ..

Nun, die Kritik soll sich ja nicht am Text aufhängen.

Der ist zwar erst entstanden als  Behaim schon tot war, aber doch noch zu Lebzeiten von König Maximilian II. Joseph, welchem in der dritten Strophe dieser Hymne noch als Bayern-König und Landesvater gehuldigt wird. Dies alles geschah 85 Jahre vor der Annahme der Bayerischen Verfassung von 1946, seit der ein König als Landesvater nicht mehr vorgesehen ist.

Also: Lasst die Hymne in den Hallen der Geschichte, bestaunt sie als Zeugnis ihrer Zeit, aber,

Zeeeefixhalllllelujah!

Singt nicht mit, wenn bayerische Reichsbürger, AfD’ler und andere Rückwärtsgewandte versuchen, euch mit dem Heimatgesülze auf ihre Seite zu ziehen!

Es ist doch schon geschehen! Die Populistin im Dirndl, Ebner-Steiner, das vermerkt warnend sogar die Süddeutsche Zeitung, ist Ende September in der Stadthalle von Osterhofen mit Bayernhymne und Defiliermarsch aufgetreten! Wie unappetittlich! hier zu lesen

Von daher distanziere ich mich vollinhaltlich von Text und Melodie und von allen, die Text und/oder Melodie seit 1946 jemals öffentlich oder im privaten Raum zum Vortrag gebracht haben. Dazu gehören alle bayerische Ministerpräsidenten der Neuzeit, der Bayerische Rundfunk mit allen seinen Hörfunk- und Fernsehprogrammen, weite Teile der CSU-Mitglieder, die Heimat-, Trachten- und Schützenvereine, die Bayernpartei, weite Teile der Freien Wähler, und überhaupt allen, die glauben, den Kampf gegen rechts von der Couch aus verfolgen zu können!

Zu allem Unglück muss ich mich leider auch von Angela Merkel distanzieren – siehe Video rechts. (Rechts! Und bitte mal mitzählen, wie viele rechte Hände da während der Gesangsdarbietung in die Höhe gegangen sind.)

 

Auf wen, bitte, kann man sich als jemand, der schon länger hier lebt, überhaupt noch verlassen?

 

 

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Oktober 3rd, 2018 by Egon W. Kreutzer

Bayern, wiewohl im Schatten des Bundes stehend, hat etwas,  worum uns die übrigen  alten und neuen Bundesländer beneiden:

Eine Einheit.

Eine Einheit, die in Bayern nicht nur an einem einzigen Tage gepriesen  und begangen wird, sondern ganzjährig, mit einem zweiwöchigen Höhepunkt, an dem alle Welt nach Bayern strömt um unsere Einheit zu bewundern.

Die bayerische Einheit ist die Mass.

Vor der Rechtschreibreform, als es den Buchstaben „SZ“ sowohl mit kurzem als auch mit langem Vokal davor gab, war die Mass noch die Maß. Heute, wo das SZ sowohl für Süddeutsche, wie auch für Sächsische Zeitung steht und eine langes „A“ die Gefahr der Verwechslung mit der politischen Allzweckwaffe von der Saar mit sich brächte, schreibt man die Mass wieder mit SS, wie so vieles, was vorher nur mit SZ daherkommen durfte.

Die Mass darf nicht mit dem Maßkrug verwechselt werden, denn die Mass ist die Einheit, während der Krug das Messinstrument darstellt. Daher hat die Mass auch keinen Plural, obwohl eine Mass nur selten alleine daherkommt, wohl aber der Bierkrug. Das ist wie beim Zoll und den Zollstöcken, wo es auch nicht heißt, der Meter sei 39,37 Zölle lang, oder beim Strom, bei dem niemand sagt, es seien so und so viele Kilo Watte verbraucht worden.

Die Mass ist definiert als jene Menge bayerischen Bieres, die vom Schankkellner dafür gehalten und vom Verein wider das betrügerische Einschenken noch toleriert wird. Da der Verein nicht überall sein kann, einigen sich im Zweifelsfall Schankkellner und Biertrinker friedlich.

Von der Mass lassen sich viele weitere Einheiten Bayerns erklären. Die Länge von Biertisch und Bierbänken der typischen Biertischgarnitur entspricht dem Platzbedarf von zwei mal fünf Mass. Die erzielten Stimmenverhältnisse bei demokratischen Wahlen auf kommunaler, Kreis- und Landesebene lassen sich exakt in die von den Parteien bzw. Bewerbern im Wahlkampf spendierten Mass Freibier zurückrechnen.

Der Kurvenradius bayerischer Landstraßen wird intern in Mass ausgedrückt. Eine langgestreckte Gerade mit einer Fahrbahnbreite nicht unter 12 Meter gilt dabei als eine Fünf-Mass-Kurve, d.h. sie kann auch mit fünf Mass noch unfallfrei bewältigt werden.  Ein rechtwinkliger Straßenverlauf mit einer Fahrbahnbreite von nicht über 2 Meter gilt als Null-Mass-Kurve. Straßen mit Null-Mass-Kurven sind im Rahmen der Flurbereinigung entstanden. Sie gelten als für Polizeifahrzeuge unpassierbar und werden daher vor allem im ländlichen Raum gerne für nächtliche Heimfahrten genutzt.

Wohlbekannt ist auch die bayerische Massarbeit, die sich dem nüchternen Betrachter niemals in ihrer vollen Schönheit erschließen kann.

Massarbeit

Ein kleiner Blick noch nach Berlin, wo in diesem Jahr die zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit stattfindet. Versucht man jedoch, die der Bayerischen Einheit  adäquate Deutsche Einheit zu finden, muss man feststellen, dass die inzwischen untergegangen ist. Die Deutsche Einheit, das war die Mark. Alleine die Tatsache, dass die D-Mark, praktisch mit dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls zur Mark aller Deutschen auch im Beitrittsgebiet ausgerufen wurde, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass es die Mark war, die ganze Mark, die reine Mark und nichts als die Mark, was als Deutsche Einheit bezeichnet werden konnte.

Diese Einheit wurde verspielt. Mit dem Zahlungsmittelsurrogatextrakt Euro ist kein Staat zu machen. Der Euro, der Blümchen- und Malzkaffee unter den Währungen, das Spaltergeld der EU, eine Einheit, die zu feiern  doch gar keinen Sinn macht und nie gemacht hat.

Die bayerische Mass gilt noch.

Der erste Versuch, sie zu demolieren, ist fehlgeschlagen. Die Kommission in Brüssel sah sich, Sie erinnern sich, im März 2017 gezwungen, zu erklären, sie habe den Bierausschank aus Steinkrügen nicht verboten. Auch der Aufdruck am Boden der steinernen Maßkrüge „Nicht für schäumenden Getränke zu verwenden!“ sei nicht auf dem Mist der Kommission gewachsen, sondern die Kommission habe richtigzustellen: „Dies ist  allein durch den deutschen Gesetzgeber vorgegeben.“ Das lässt sich hier immer noch nachlesen.

Lasst uns standhaft bleiben, Bayern, und unsere Einheit verteidigen, auch und gerade gegen solche Preißn, für die sich sogar die EU-Kommission noch fremdschämen muss, damit wir diesen Tag auch in zehn Jahren noch voller Stolz darauf, Bayern zu sein, mit unserer Einheit in Maßen feiern können.

 

 

 

 

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