Das ist eine Rubrik, die den wiederkehrenden Bullshit-Argumentationen gewidmet ist, mit denen Politiker und solche, die sich dafür halten, die Bürger immer wieder beglücken. Ob sie selbst daran glauben oder einfach nur glauben, wir würden es schon glauben, ist nicht immer beweiskräftig festzustellen.


10. August 2019

Landtagswahlen Ost

In drei Wochen geht es in Brandenburg und Sachsen los. Thüringen folgt Ende Oktober.  Sehr viel Aufregung ist um diese Wahlen entfacht worden, ja sogar das vorzeitige Ende der großen Koalition in Berlin wird als eine alles andere als unwahrscheinliche Folge dieses dreifachen Urnenganges Ost an die Wand gemalt.

Wer nun glaubt, es käme diesmal ganz besonders auf seine Stimmen an, um dies zu verhindern oder um es zu ermöglichen, sei an dieser Stelle freundlichst darauf hingewiesen, dass es sich dabei grundsätzlich um eine  Fehleinschätzung handelt, die der Kategorie „Beste Denkfehler“ zugeordnet werden muss.

Geht es doch bei diesen drei Wahlen nicht darum, wie viele Stimmen die SPD noch verliert, wie viele Prozente die Gretagrünen im Osten gewinnen, ob die CDU sich rechts genug inszeniert, um nicht noch weiter abzurutschen, auch nicht darum, ob die FDP die 5-%-Hürde schafft – noch nicht einmal darum, die LINKE klein zu halten –  es geht allen nur darum, am Ende eine Koaliton ohne AfD-Beteiligung auf die Beine zu stellen. Und das ist eine der leichtesten Übungen.

Dass die AfD in allen drei Landtagen mit etwas mehr als 20 Prozent vertreten sein wird, dass sie mit ganzen 21 Prozent in Brandenburg sogar die stärkste Partei werden könnte, führt doch nur dazu, dass SPD und Grüne in allen drei Ländern schon heute als (Mit-)Regierungsparteien gesetzt sind.  

In Brandenburg
kommt die bestehende Koaltion aus SPD, Grünen und LINKEn erneut auf eine sichere Mehrheit. Es würde aber genauso für CDU, SPD und Grüne reichen.

In Sachsen
wird es für CDU und SPD alleine nicht mehr reichen, wohl aber wenn die Grünen hinzugenommen werden – und das liegt doch derzeit voll im Trend!

In Thüringen
ausgerechnet da, wo die AfD mit Höcke ihren bekanntesten Fundamentalisten aufbieten kann, wird wegen der Stärke der LINKEn voraussichtlich erneut eine komfortable Mehrheit für eine Koaltion aus LINKEn, Grünen und SPD zustandekommen, so dass der LINKE Ministerpräsident Bodo Ramelow im Amt verbleiben kann. 

Außer, dass in Sachsen die Grünen künftig mitregieren werden, ändert sich in den Ländern gar nichts!

Und in Berlin?

Da SPD und Grüne als die eigentlichen Sieger aus den Wahlen hervorgehen werden, wird niemand in der SPD sich noch veranlasst sehen können, nun ausgerechnet deshalb die Koalition aufzukündigen.

CDU/CSU haben sowieso kein Interesse an vorgezogenen Wahlen, weil sie noch viel zu weit davon entfernt sind, sich auf einen Kanzlerkandidaten verständigen zu können. (Es ist ja auch niemand da …)

Berlin wird die Wahlergebnisse folglich ebenso unbeeindruckt verarbeiten wie ein McPherson-Federbein eine Serie von drei Schlaglöchern.

Die Flügelkämpfe innerhalb der AfD werden weitergehen, wobei jede Seite, also hier der Flügel und da der Rumpf, die Wahlergebnisse im jeweils eigenen Sinne so ausdeuten werden, dass  ein Konsens weiterhin nicht möglich sein wird. Mag sein, dass daraus im Laufe der Zeit tatsächlich eine neuerliche Abspaltung  entsteht (Ja, neuerlich! Wo sind denn 1. Lucke und 2. Petry geblieben! ), doch vermutlich ist die sowieso unvermeidlich.

Es ändert sich nichts!

 

 


4. August 2019

Billigere Bahntickets
und teurere Flugtickets als  Waffe gegen den Klimawandel

Es wird suggeriert, die Entscheidung des Bürgers, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder doch lieber die eigenen, privaten, bzw. bei Inlandsreisen den Flieger zu wählen, statt der Bahn, sei alleine eine Frage des Preises.

Die Bahn hat einfach nicht die Kapazitäten! Ihre Züge sind dann, wenn sie gebraucht werden,  auf eine schon ziemlich unangenehme Weise übervoll, ihr Streckennetz ist so weit ausgedünnt, dass man – abgesehen von den Großstädten – ohne den privaten Pkw gar nicht mehr zum Zug kommt. Die Bahn ist durch eine über viele Jahrzehnte vollkommen undurchsichtige und sich ständig ändernde Preisgestaltung für den Gelegenheitsreisenden ein Buch mit sieben Siegeln geworden und noch dazu nicht nur auf vielen Strecken einfach viel langsamer als die Konkurrenz auf der Straße, sondern obendrein auch noch unpünktlich.

Billigere Bahntickets hätten nur eine einzige Folge:

Die übervollen Züge würden noch jenes kleine bisschen übervoller, das noch bis zur Schmerzgrenze fehlt.

Die Bahn besser machen!

Mehr Bahnhöfe und Haltestellen, kürzere Zugabstände, geräumige  Waggons, ausreichende Sitzplätze und Möglichkeiten Gepäck unterzubringen, das wäre erforderlich, um eine Annäherung der Nutzungsvorteile von Bahn und Pkw herzustellen, und erst wenn dies geschafft ist, könnte man versuchen, die Menschen – bei einigermaßen vergleichbarer Leistung – über den Preis in die Bahn zu locken.

Allerdings lebt die Bahn als Massenverkehrsmittel eben vom Massenverkehr in überfüllten Zügen auf begrenzten Strecken mit unterirdischem Komfort für die Reisenden. Die Bahn besser zu machen, macht sie nicht billiger, sondern teurer. 

Bahnfahren wird erst dann wieder zum Volkssport, wie kurz nach dem Krieg, wenn sich niemand mehr einen Pkw leisten kann.